Was sich konkret geändert hat
Lange war Indeed für viele Praxen das pragmatische Recruiting-Tool: Stellenanzeige schreiben, hochladen, kostenlos schalten – und bei Bedarf nach ein paar Wochen einfach refreshen. Wer gleichzeitig mehrere Positionen suchte, konnte das ohne nennenswerte Kosten tun.
Das ist seit dem 10. Dezember 2025 vorbei. Indeed hat seine Bedingungen für kostenlose Stellenanzeigen deutlich verschärft. Die wichtigsten Punkte:
1. Limit von 3 kostenlosen Anzeigen pro Monat
Pro Kalendermonat kann jeder Arbeitgeber nur noch maximal 3 Stellenanzeigen kostenlos veröffentlichen. Wer mehr Stellen ausschreiben will, muss auf Premium-Stellenanzeigen umsteigen.
2. Laufzeit von 30 Tagen
Jede kostenlose Anzeige läuft 30 Tage. Danach läuft sie automatisch aus. Wer länger sichtbar bleiben will, muss die Anzeige auf Premium upgraden – oder neu schalten und damit eines der 3 monatlichen Kontingente verbrauchen.
3. Premium ist flexibel, aber nicht mehr kostenlos
Wenn das monatliche Limit erreicht ist oder eine Anzeige verlängert werden soll, gibt es nur noch den Weg über Premium-Stellenanzeigen. Die gute Nachricht: Es gibt keinen festen Mindestbetrag. Du kannst dein Budget weitgehend selbst bestimmen. Die schlechte Nachricht: Es kostet eben Geld.
Indeed bietet zwei Premium-Modelle an:
- Tagesbudget mit Pay-per-Click (PPC): Du zahlst pro Klick auf deine Anzeige (typischerweise 0,15 € bis 0,90 € pro Klick). Du kannst ein Tagesbudget festlegen – auch ein sehr niedriges (z.B. 3-5 € pro Tag).
- Monatsbudget mit Pay-per-Started-Application (PPSA): Du zahlst nur, wenn Bewerber den Bewerbungsprozess starten. Indeed gibt eine Budgetempfehlung, aber du kannst auch niedrigere Beträge wählen.
4. Geltungsbereich
Die neue Regel gilt in Deutschland, den USA, Großbritannien, Kanada und den Niederlanden. Andere Märkte können folgen.
Warum das gerade Praxen besonders trifft
Auf den ersten Blick klingt das vielleicht nicht dramatisch. 3 kostenlose Anzeigen pro Monat – das reicht doch erstmal? In der Praxis ist die Realität oft anders.
Praxen schreiben oft mehrere Positionen gleichzeitig aus
In einer durchschnittlichen Praxis laufen häufig parallel mehrere Suchen:
- MFA in Vollzeit
- MFA in Teilzeit (z.B. Vormittagsstelle)
- ZFA oder Auszubildende
- Reinigungskraft
- Eventuell: medizinischer Fachangestellter mit Spezialqualifikation (Hygiene, Abrechnung)
Wer mehr als drei dieser Positionen gleichzeitig sucht, ist sofort an der kostenfreien Grenze. Und dann kommen noch die Refreshes hinzu, die viele Praxen bisher genutzt haben, um Anzeigen oben in den Suchergebnissen zu halten.
Die Refresh-Strategie funktioniert nicht mehr
Das war vorher die gängige Praxis: Eine Anzeige läuft aus, du schreibst sie kurz um, lädst sie wieder hoch – und sie ist wieder oben. Auch nach 3, 6, 9 Monaten Suche.
Mit der neuen Regelung verbrauchst du jedes Mal eines deiner monatlichen Kontingente, wenn du eine Anzeige neu schaltest. Bei drei langlaufenden Suchen ist dein gesamtes Kontingent damit jeden Monat aufgebraucht – ohne dass du eine neue Stelle ausgeschrieben hast.
Premium kostet, auch wenn flexibel
Das Premium-System ist flexibler als oft befürchtet: Du kannst auch mit kleinem Budget arbeiten. Aber: Bei einem Tagesbudget von 3 €/Tag und einem Klickpreis von z.B. 0,30 € bekommst du etwa 10 Klicks pro Tag – ob daraus genug Bewerbungen werden, hängt stark von Stelle und Region ab.
Wer mehrere Premium-Anzeigen parallel laufen lässt, kommt schnell auf 100-300 € pro Monat. Das ist kein dramatischer Betrag, aber es ist eben ein neuer Posten in der Praxis-Rechnung – wo vorher 0 € stand.
Was die Veränderung wirklich bedeutet
Die nüchterne Wahrheit: Indeed hat sein Geschäftsmodell verschoben. Was lange als “kostenlos” beworben wurde, ist heute ein Premium-Service mit kostenfreiem Einstiegslevel. Das ist legitim – Indeed ist ein Unternehmen und muss Geld verdienen. Aber für Praxen ändert das einiges.
Indeed war für viele Praxen der “leichte Weg”
Schnell eine Anzeige schreiben, kostenlos schalten, Bewerbungen einsammeln – ohne strategisches Recruiting-Konzept. Das funktionierte, solange es nichts kostete. Mit der neuen Regelung wird dieser leichte Weg teilweise kostenpflichtig.
Die Frage ist jetzt: Lohnt sich Indeed für meine Praxis noch?
Diese Frage musst du ehrlich beantworten. Indeed kann immer noch ein gutes Recruiting-Tool sein – aber nicht mehr als Standardlösung für alle Stellen. Sondern strategisch, gezielt, mit klarer Kosten-Nutzen-Rechnung.
Wie du jetzt strategisch reagierst
Die Indeed-Änderungen sind kein Grund zur Panik – aber ein guter Anlass, dein gesamtes Recruiting-Konzept zu überdenken. Hier die wichtigsten strategischen Überlegungen:
1. Priorisiere deine Stellen
Nicht jede offene Position braucht eine Indeed-Anzeige. Frag dich:
- Welche Stellen sind unternehmenskritisch? Eine MFA-Vollzeitstelle, ohne die der Praxisbetrieb leidet, ist wichtiger als eine Reinigungskraft.
- Welche Stellen sind besonders schwer zu besetzen? Spezialqualifikationen (z.B. medizinische Fachangestellte mit Hygiene-Schein) brauchen breitere Reichweite.
- Wo lohnt sich Premium-Reichweite? Bei knappen Berufsgruppen und großem Bewerbermarkt-Druck eher als bei einfachen Hilfsstellen.
2. Nutze Premium gezielt mit kleinem Budget
Wenn du eine 4. oder 5. Anzeige im Monat schalten musst, ist Premium nicht zwingend teuer. Du kannst mit einem kleinen Tagesbudget (z.B. 3-5 €) starten und so deine Anzeige überhaupt online halten. Die Reichweite ist begrenzt, aber für viele Praxen reicht das, um genug Bewerbungen zu bekommen.
Praktischer Tipp: Setze ein striktes Maximalbudget pro Anzeige. Indeed empfiehlt oft höhere Beträge – aber du musst diese Empfehlung nicht annehmen. Starte niedrig, beobachte die Performance, und passe das Budget bei Bedarf nach oben oder unten an.
3. Nutze andere Kanäle parallel
Indeed war nie der einzige Recruiting-Kanal – aber viele Praxen haben sich aus Bequemlichkeit darauf konzentriert. Jetzt lohnt es sich, andere Wege wieder ernster zu nehmen:
Bundesagentur für Arbeit: Kostenlose Stellenanzeigen, aber oft schlechtere Reichweite und weniger gute Bewerber. Trotzdem: Ein zusätzlicher Kanal, der nichts kostet.
Stepstone, Monster, etc.: Andere Jobbörsen mit eigenen Stärken. Nicht für jede Praxis sinnvoll, aber für spezielle Positionen.
Branchenspezifische Portale: medi-jobs.de, mfa-jobboerse.de, MEDI-MFA-Plattformen. Oft kleinere Reichweite, aber zielgenauere Bewerber.
Social Recruiting: Instagram, Facebook, TikTok. Erreicht jüngere Bewerber, ist aber aufwendiger und braucht eine durchdachte Strategie. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Social Recruiting für Praxen.
Eigene Karriere-Seite: Auf der Praxis-Website. Wer organischen Traffic hat (über Google-Suche, Bewertungen etc.), kann hier Stellen prominent platzieren.
Persönliches Netzwerk: Empfehlungen aus dem Team, Kontakt zu Berufsschulen, Kooperation mit lokalen Ausbildungseinrichtungen.
4. Investiere in nachhaltiges Employer Branding
Der vielleicht wichtigste Punkt: Wer langfristig Personal findet, braucht mehr als nur Stellenanzeigen. Eine Praxis mit einem klaren, sichtbaren Employer Branding bekommt Bewerbungen oft auch ohne aktive Anzeige – durch Empfehlungen, durch organische Suche, durch Sichtbarkeit auf Bewertungsportalen.
Das ist keine Kurzfrist-Lösung, aber langfristig der nachhaltigste Weg. Und gerade deswegen wichtig: Wer jetzt anfängt, hat in 12 Monaten einen anderen Bewerbermarkt vor sich.
Was wir Praxen aktuell raten
Die Indeed-Änderungen sind ein Anlass, das eigene Recruiting strategischer zu denken. Konkret:
1. Mach dir eine ehrliche Übersicht. Welche Stellen schreibst du regelmäßig aus? Wie lange suchst du im Schnitt? Wie würden sich die neuen Indeed-Konditionen auf dein bisheriges Vorgehen auswirken? Diese Zahlen sind die Basis für jede sinnvolle Entscheidung.
2. Diversifiziere deine Kanäle. Nicht alle Eier in den Indeed-Korb. Andere Plattformen, eigene Kanäle, Netzwerke – je breiter du aufgestellt bist, desto unabhängiger bist du von einzelnen Plattform-Änderungen.
3. Investiere in deine Praxis als Arbeitgeber. Karriereseite, Mitarbeiter-Bewertungen (z.B. auf kununu), authentische Einblicke (z.B. über Social Media). Das ist die Basis für alles andere.
4. Plane Premium-Budgets pragmatisch. Wenn du eine kritische Stelle besetzen musst, ist eine Premium-Anzeige bei Indeed eine Investition – nicht zwingend ein Verlust. Aber definiere vorher klar, was dir die Stelle wert ist. Du kannst klein starten und bei Bedarf nachsteuern.
Fazit
Die Indeed-Änderungen sind nicht das Ende des Recruiting-Tools für Praxen – aber das Ende der “kostenlosen Daueranzeige”. Wer Indeed weiter sinnvoll nutzen will, muss strategischer planen, gezielter ausschreiben und ehrlich kalkulieren.
Gleichzeitig ist es ein guter Anlass, sich zu fragen: Habe ich mein Praxis-Recruiting wirklich solide aufgestellt – oder habe ich mich zu sehr auf einen einzelnen Kanal verlassen?
Die Antwort darauf entscheidet, wie ruhig oder unruhig du in den kommenden Monaten schläfst, wenn die nächste MFA-Stelle frei wird.
Du hast Fragen zu deiner Recruiting-Strategie? Wir helfen Praxisinhabern, ihre Personalsuche strategisch aufzustellen – jenseits einzelner Plattformen. Termin vereinbaren






